Stellungen
Wenn ein Taekwondoin z.B. eine der Formen (Hyongs)
läuft oder den 1-Schritt-Kampf (Ilbo-Taeryon) übt,
so nimmt er zu jeder Zeit eine bestimmte Körperhaltung bzw. Position ein: Die sogenannte Stellung. Eine Stellung
beschreibt die festgelegte Position von Füßen, Beinen und Armen sowie die Gesamthaltung des Körpers, die so
insgesamt ein möglichst stabiles Gleichgewicht mit größtmöglicher Aktionsfähigkeit gewährleisten.
Dabei lehrt Taekwondo jedoch keine "Extremstellungen" (z.B. extrem lang und tief), sondern viele verschiedene, ausgewogene Stellungen, die auf den
jeweiligen Zweck abgestimmt sind: Lange und tiefe Stellungen wie Sosung-Sogi sind hervorragend für die Abwehr geeignet, da sie sehr viel
Stabilität und einen festen Stand bieten, was allerdings auf Kosten der Schnelligkeit geht.
Dagegen sind kurze und hohe Stellungen wie Susik-Sogi perfekte Angriffsstellungen: Sie erlauben
höchstmögliche Flexibilität und Schnelligkeit, vermindern jedoch die Stabilität des Stands.
So wird klar, dass jede Stellung ihre eigenen Vor- und Nachteile besitzt und die Schwierigkeit ist, in jeder Situation die richtige
Stellung einzunehmen. Diese Vor- und Nachteile zu kennen und zu lernen, die Stellungen der Situation entsprechend einzunehmen,
ist Aufgabe eines Taekwondoin.
Es gibt hierzu grundlegende Regeln, die für alle Stellungen gelten:
- Der Oberkörper ist wegen des Gleichgewichts immer aufrecht zu halten
- Die Augen sind immer mit der Stellung zu richten
- Das Kinn ist etwas anzuziehen
Merke: Den Kampf gewinnt nicht derjenige mit den kräftigeren Schlägen oder Tritten, sondern der mit dem sichereren Stand.
1. Narani Chunbi-Sogi ("Fertig-Stellung"):
Die Füße werden parallel so
nebeneinander gestellt, dass sie eine Schulterbreite auseinanderstehen.
Die Zehen weisen nach vorne.
Die Fäuste werden in Gürtelhöhe zusammengeführt. Der Abstand zwischen
den Fäusten beträgt ca. 5 cm, der Abstand der Fäuste zum Körper
ca. 7 cm.
Die Ellenbogen sollen dabei nahe am Körper liegen und nicht unnötig weit
ausgestellt werden. Das Körpergewicht wird auf beide Beine gleichmäßig
verlagert.
2. Chongul-Sogi ("Vorwärts-Stellung"):
Ein Bein wird in Schrittrichtung ca. 1 1/2
Schulterbreiten nach vorne bzw. 1 1/2 Schulterbreiten nach hinten gesetzt. Der Abstand
zwischen den Füßen in der Breite beträgt eine Schulterbreite.
Die Zehen weisen nach vorne.
Das vordere Bein wird soweit gebeugt, bis die Kniekehle mit der Fußferse eine
senkrechte Linie bildet. Das hintere Bein darf nicht abgewinkelt werden, es bleibt
völlig gestreckt.
Das Körpergewicht wird auf beide Beine gleichmäßig verlagert.
3. Hugul-Sogi ("Rückwärts-Stellung"):
Ein Bein wird in Schrittrichtung ca. 1 1/2
Schulterbreiten nach vorne bzw. 1 1/2 Schulterbreiten nach hinten gesetzt.
Der hintere Fuß wird im rechten Winkel (90°) nach außen gedreht.
Die Zehen weisen senkrecht vom Körper weg.
Der nach vorne gestellte Fuß bildet in der rückwärtigen Verlängerung
zur Ferse des zur Seite gedrehten Fußes eine Linie.
Mit dem hinteren und dem vorderen Bein soweit in die Knie gehen, dass die vordere
Kniescheibe mit den vorderen Zehen eine senkrechte Linie bildet.
Das Gesäß wird soweit nach hinten geschoben, bis es mit der Ferse des zur
Seite gedrehten Fußes eine senkrechte Linie bildet.
Das Körpergewicht wird zu ca. 70% auf das hintere und zu ca. 30% auf das vordere Bein
verlagert.
4. Gyocha-Sogi ("Kreuz-Stellung"):
Man kreuzt einen Fuß vor oder hinter
den anderen, wobei die Fußballen des Nicht - Standbeines nur leicht den Boden
berühren.
Das Körpergewicht liegt vollständig auf dem Standbein.
5. Oebal-Sogi ("Einbein-Stellung"):
Das Standbein wird ausgestreckt, die Zehen
weisen nach vorne. Das andere Bein wird angezogen und die Fußsohle wird seitlich
in Kniehöhe gegen das Standbein gestellt.
6. Guburyo-Sogi ("Beuge-Stellung"):
Wie Oebal-Sogi, jedoch wird das Standbein
gebeugt.
7. Susik-Sogi ("Senkrecht-Stellung"):
Ein Fuß wird ca. eine halbe Schulterbreite
nach vorne gesetzt.
Der andere Fuß wird im Winkel von ca. 90° zur Seite gestellt.
Eine gedachte Linie verläuft von der Ferse des vorderen Fußes zur Fußmitte
des zur Seite gedrehten, hinteren Fußes.
Das Körpergewicht liegt zu ca. 60% auf dem hinteren Bein.
8. Annun-Sogi (auch Kima-Sogi: "Reit-Stellung"):
Das linke Bein wird so weit nach links zur
Seite gestellt, bis es ca. 1 1/2 Schulterbreiten vom rechten Fuß entfernt ist.
Die Füße stehen zueinander parallel, die Zehen weisen nach vorne.
Das Körpergewicht ist auf gleichmäßig auf beide Beine verteilt.
Beide Knie werden gebeugt, so dass die Kniescheiben mit den Zehen der Füße
eine senkrechte Linie bilden.
Das Gesäß bildet mit den Fersen eine senkrechte Linie.
9. Sosung-Sogi ("Gleichgewichtige Rückwärts-Stellung"):
Wie Annun-Sogi, nur wird ein Fuß so zur
Seite gedreht, dass auf einer gedachten Linie zur Ferse des nach vorne weisenden
Fußes ein Winkel von 90° entsteht.
Das Körpergewicht ist gleichmäßig (gleichgewichtig) auf beide Beine
verteilt.
10. Dytbal-Sogi ("Hinterbein-Stellung"):
Wie Susik-Sogi, jedoch liegt der größte
Teil des Körpergewichtes auf dem hinteren Bein. Der vordere Fuß berührt
nur mit den Fußballen den Boden.
11. Moa-Sogi ("Zusammen-Stellung"):
A) Beide Füße stehen direkt nebeneinander
zusammen, die Zehen weisen nach vorne.
Die Fäuste werden in Mundhöhe zusammengeführt, der Abstand zum Gesicht beträgt
ca. 30 cm.
B) Gleiche Fußstellung wie Moa-Sogi A). Die Fäuste werden allerdings in
Gürtelhöhe zusammengeführt, der Abstand zum Körper beträgt ca. 15 cm.
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